Jagen und Sammeln

Die Ausstellung

Eine Auswahl der ausgestellten Objekte und der angesprochenen Themen.

Sind Sie ein Jäger oder ein Sammler? Die Steinzeit und das Jagen und  Sammeln Die Jagd im Wandel Höfische Jagden - Jagdkultur des Mittelalters Falknerei Volkskunst Jagd und Schutzheilige Jagd und Kaiser Hirsch tot, Sau tot, Hase tot! Sammeln - Kulturpraktik oder Marotte Warum sammeln Sammler? Alltagssammeln

Ein Jäger auf einer alten Fotographie  Sind Sie ein Jäger oder ein Sammler?

Ein Jäger auf einer alten Fotographie Sind Jagen und Sammeln wirklich die ältesten Tätigkeiten des Menschen? Seit wann jagt und sammelt der Mensch, ist es ein angeborener Instinkt, oder war es eine evolutionsgeschichtlich notwendig erworbene Praktik, um nicht von der Erde verdrängt zu werden? Jagen ist aber mehr als nur ein funktionelles Töten, Jagd ist auch aufspüren, nachstellen, fangen und erlegen jagdbarer Tiere als Trophäe. Ebenso versteht sich das Sammeln als Jagd, jedoch nicht als Jagd auf Tiere, sondern als eine nach Dingen!
Wir freuen uns, dass Sie uns als besondere Beute endlich ins Netz gegangen sind - lassen Sie sich dieses Ausstellungserlebnis nicht durch die Lappen gehen. Pirschen Sie sich heran und legen Sie die Ausstellung "Jagdfieber und fieberhaft sammeln" zu Ihrer (Ausstellungs-)Trophäensammlung.
Viel Vergnügen bei der Entdeckungsreise in eine Welt der abenteuerlichen Beziehungen Mensch-Tier und Mensch-Sammlerstück.

Übersicht

Höhlenzeichnung aus Alta Mira  Die Steinzeit und das Jagen und Sammeln

Höhlenzeichnung aus Alta Mira Wir befinden uns in der Zeit um 250.000 v. Chr. Der Mensch musste sich vermutlich den jahreszeitlich und klimatisch bedingten Wanderungen der großen Tierherden anpassen wie auch ein reiches Wissen über nutzbare Pflanzen haben, um seinen täglichen Kalorienbedarf zu decken und sein Überleben zu sichern. Sammeln von Wurzeln und Knollen, Früchten, Beeren und Pilzen und das Plündern von Vogelnestern war meist erfolgreicher als die Jagd auf große Tiere. Jagen war immer eine Gruppentätigkeit, es gab keine Trennung zwischen Mann (Jagen) und Frauen (Sammeln). Die effektivste Jagdwaffe war die Lanze (bis zu 250 cm lang), die den Jäger jedoch zwang, sich sehr nahe an das Wild heranzuwagen. Eine Alternative dazu boten der Wurfspeer und Fallgruben. Es gibt archäologische Nachweise, dass dabei auch Feuer verwendet wurde.
Zur Verarbeitung des Gesammelten und Gejagten entwickelte der Mensch Werkzeuge aus Steinen (Feuerstein) und Knochen. Diese Gerätschaften eigneten sich für einfache Arbeitsprozesse, wie Zertrümmern, Hacken, Aufreißen und Schaben.
Die ursprünglichen Jäger- und Sammlerverbände wandelten sich etwa um 10.000 v. Chr. - ausgehend in Kleinasien - zu sesshaften Gesellschaften, die Ackerbau und Viehzucht betrieben. Das Fleisch der Wildtiere sowie gesammelte Früchte, Pilze, Beeren und wilder Honig blieben aber eine wertvolle ergänzende Nahrungsgrundlage

Übersicht

Die Jagd im Wandel  Die Jagd im Wandel

Die Jagd im Wandel Die Jagd als Repräsentationsfeld einer streng hierarchischen ständischen Gesellschaft konstituierte sich bereits in der Antike. Erfolgreiche Jagd galt als Demonstration der Stärke und Überlegenheit. Wer den Mut aufbrachte, alleine gegen einen Eber, Bären oder Löwen zu kämpfen und ihn zu erlegen, sollte sich auch als König und Landesherr eignen. Wer die wilden Tiere nicht fürchtete, hatte auch keine Furcht vor dem Feind. Die Entwicklung der Jagd von der existentiellen Nahrungsbeschaffung hin zu einem höheren Jägertum hatte sich somit vollzogen. Jagdliches Wissen und Ausbildung sowie die bildliche Darstellung der Herrscher bei der Jagd sind sehr bezeichnend für diesen einschneidenden gesellschaftlichen und kulturellen Wandel. Bodenmosaike, Malereien auf Vasen und Amphoren, Fresken und Reliefe an Sarkophagen sind Zeugen dieser Haltung und Vorstellung. In der antiken Mythologie sind die berühmte Protagonisten der Jagd zweifelsohne Meleager, Atalante und Diana, Actaeon.

Übersicht

Höfische Jagden - Jagdkultur des Mittelalters  Höfische Jagden - Jagdkultur des Mittelalters

Höfische Jagden - Jagdkultur des Mittelalters Über viele Jahrhunderte hinweg zeigt sich, dass die Jagd die lustvolle Tätigkeit einer gesellschaftlichen Elite war, die andere für sich arbeiten ließ. Zum Privileg des weltlichen und geistlichen Adels geworden, gehörte sie als sportliche Kompensation für kriegerische Aktivitäten zum gesellschaftlichen Zeitvertreib.
Historische Frauengestalten und Darstellungen jagender Frauen in der mittelalterlichen Literatur und Kunst veranschaulichen die Voraussetzungen und Möglichkeiten ihrer Beteiligung. Entgegen gängiger Vorstellungen waren die adeligen Damen mehr als nur Zuschauerinnen oder zierende Begleitung; vielmehr nahmen sie häufig selbst aktiv am Jagdgeschehen teil.
Jagdausflüge boten zudem Spielraum für gesellschaftliche und politische Kontakte, so dass die Jagd zugleich eine Bühne für Selbstinszenierung und Standesrepräsentation bot. Gleichgültig ob öffentlich oder privat, die Jagd hatte den Sinn einer Heroisierung des Jägers durch den Sieg über das Animalische, als ein früher Ausdruck der Naturbeherrschung. Das war, wohl mehr unbewusst, die Ideologie des ausgefeilten kaiserlichen Jagdprotokolls und erklärt auch, warum die Jagdunfälle, in einer Art magischer Verkehrung, als böse Vorzeichen galten.

Übersicht

Falknerei  Falknerei

Falknerei Die Falknerei gehört zu den faszinierendsten Kapiteln der Jagdgeschichte. Entstanden bei den Skythen und Sarmaten und seit dem 3. Jh. n. Ch. dokumentiert, wird diese hohe Jagdart mit einem Beizvogel, einem abgerichteten, aber immer ’wild’ bleibenden Greifvogel (Falken, Habicht, Sperber, Steinadler), ausgeübt. Bei der Beizjagd handelt es sich um eine besondere handwerkliche Kunst auf Flugwild (Fasan, Rebhuhn) oder auf Haarwild (Hase, Kaninchen, mit dem Steinadler auch auf Fuchs und Rehwild), die dem Ganzen einen exotischen Reiz verleiht. Der Falkner ist dabei lediglich Partner und Assistent des Greifvogels, während die Jagd selbst dem natürlichen Verhalten des Vogels entspricht. Nur jeder vierte bis sechste Flug führt zum jagdlichen Erfolg.
Das beeindruckendste Werk in der europäischen Jagdgeschichte ist zweifelsohne
das großartige "De arte venandi cum avibus" von Stauferkaisers Friedrich II. Dieses Buch aus der ersten Hälfte des 13. Jh. ist bis heute die "Bibel" der Falkner, das Handbuch für Theorie und Praxis der Falknerei schlechthin. Ausgeübt wird diese alte und sehr verfeinerte Jagdtechnik heute weltweit von einer kleinen, aber sehr engagierten und überaus motivierten Gruppe von Falknern.

Übersicht

Volkskunst  Volkskunst

Volkskunst Die Jagd war bis ins 19. Jahrhundert dem einfachen Volke verwehrt geblieben. Mit der zunehmenden Zurückdrängung des Adels, vor allem seit dem Jahr 1848 ist die Jagd zu einer Passion und zum Lebensinhalt weiter Kreise der Bevölkerung geworden. Im 19. und 20. Jahrhundert tauchen gerade in der Volkskunst Motive auf, die symbolischen Charakter haben. Der Hirsch als Symbol für Kraft, Schnelligkeit und Lebenselixier ist Bildinhalt auf Lebzeltmodeln, Ofenkacheln und Buttermodeln, manchmal auch in Komposition mit Jagdhunden und abgeschossenen Pfeilen. Die humoristische Darstellung des Jägers Humor ziert einige Exponate, die eine "verkehrte Welt" verdeutlichen - ein Hase rasiert den Jäger, ein Bär spielt Kontrabass, dazu tanzen Fuchs und Wolf, der Jäger wird von Tieren zu Grabe getragen. Einfache Holzschnitzereien von Wilderern, Jägern, Gämsen und Hirschen finden sich in Krippen aus dem alpinen Raum, auf Schlitten und Pfeifenköpfen. Für Adelige und Berufsjäger eigens kunstvoll angefertigte jagdliche Gebrauchsgegenstände, wie Pulverhörner, Jagdbestecke, Pokale aus Steinbockhorn, werden nun zu den begehrten Objekten, die die Sammlungen von Museen, Institutionen und Privatsammlern bereichern.

Übersicht

Jagd und Schutzheilige  Jagd und Schutzheilige

Jagd und Schutzheilige Die Jagd stellt für Christen keinen ethischen Widerspruch dar, auch wenn der Schutzheilige der Jäger, der heilige Hubertus (655-728, Gedenktag 3. November) einer Legende zufolge nach einer Erscheinung der Jagd abschwor und vom leidenschaftlichen Jäger zum Nichtjäger wurde. Er galt ursprünglich als Helfer bei Hundebiss und Tollwut und wurde erst im 15. Jh. - rund 700 Jahre nach seinem Tod - mit der Hirschwunderlegende in Verbindung gebracht. Ursprünglich wurde die Legende des hl. Hubertus von der Geschichte des hl. Eustachius (vor seiner Bekehrung zum Christentum Placidus), eines römischen Soldaten unter Kaiser Trajan sehr stark beeinflusst. Dieser verfolgte auf der Jagd einen Hirsch, der sich, vom Rudel getrennt, im Wald verirrt hatte. Im Geweih des Tieres erblickte Placidus ein Kreuz, und eine Stimme sprach: "Ich bin Christus, den du ehrst, ohne es zu wissen." Er zählt zu den 14 Nothelfern und ist der Patron der Jäger und Förster. Die Legende des hl. Eustachius war auch deshalb beliebt, weil sie Gelegenheit zur Darstellung einer beliebten höfischen Jagdform im Mittelalter und in der Renaissance bot: der Treibjagd.
Gedenktag des hl. Eustachius ist der 20. September, in Frankreich wird er seit dem 12., in Deutschland seit dem 14. Jahrhundert verehrt.

Übersicht

Jagd und Kaiser  Jagd und Kaiser

Jagd und Kaiser Die Jagd war nicht nur ein gesellschaftliches Element für die Aristokratie. Gerade bei den Habsburgern hatte sie über die Jahrhunderte hinweg eine erzieherische Funktion. Kaiser Franz Joseph I., dessen ethische Wertmaßstäben den "weidmännischen Tugenden und der jagdlichen Sittlichkeit" entsprach, galt als begeisterter Jäger. Er war oft in Reichenau zur Jagd, nächtigte im berühmten Thalhof der Familie Waißnix oder nutzte die Eisenbahn, um in 2 ½ Stunden das Gebiet der kaiserlichen Jagdreviere zu erreichen. Seine erste "Kinderflinte" erhielt er im Alter von vier Jahren, seinen ersten Hirschen schoss er mit zwölf Jahren.
Erzherzog Franz Ferdinand und seine außergewöhnliche Jagdleidenschaft rief große Emotionen hervor, gerade in Bezug auf dessen umfangreiche Abschusszahlen (gesamt 274.889 Stück Wild). Er galt als sehr treffsicherer Schütze, der in der Verbindung Jagd und Natur seinen Ausgleich und seine Befriedigung fand.
Für Kaiserin Elisabeth - eine sehr talentierte Reiterin - waren die körperlich anstrengenden Fuchsjagden ein emotionales Ventil, um den strengen höfischen Pflichten zu entfliehen. Ihre Jagdreviere waren vor allem im Gödöllö.

Übersicht

Hirsch tot, Sau tot, Hase tot!  Hirsch tot, Sau tot, Hase tot!

Hirsch tot, Sau tot, Hase tot! Die für uns so selbstverständliche Assoziation von Jagd mit Musik geht bis in die Frühzeit der Menschheitsgeschichte zurück. Der Erfolg bei einer Gemeinschaftsjagd war nur mit lautlicher Hilfe in Form von Signalen möglich. Die verständigenden Rufe untereinander sind musikalische Elemente und bildeten die Wurzel, aus der sich die heutige Jagdmusik entwickelte. Obwohl mit dem Tierhorn nur rhythmische Signale erzeugt werden konnten, galt es als Ehre, das Horn führen zu dürfen. Alle weiteren Entwicklungsschritte änderten lediglich die Art und Weise der Verständigung, nicht aber das Prinzip. Vermutlich nicht allzu viel später erkannte man die Möglichkeit, auf einem Tierhorn weithin hörbare Signale zu übermitteln. Aber damit war der Typus des hornblasenden Jägers geschaffen, der in der Gemeinschaftsjagd eine wichtige Funktion einnahm. Im 17. Jahrhundert wurde aus dem einfachen Naturinstrument ein Musikinstrument entwickelt. Von Frankreich ausgehend verbreitete sich rasch die neue Art der Jagdmusik in ganz Europa. Durch den Einfluss der Volksmusik, vor allem des Alphorns, entstand in Österreich eine eigenständige Tradition, die Österreichische Jagdmusik, die in ihrer Vielfalt das Vorbild übertraf.

Übersicht

Sammeln - Kulturpraktik oder Marotte  Sammeln - Kulturpraktik oder Marotte

Sammeln - Kulturpraktik oder Marotte Sammeln beim Wort genommen bedeutet ursprünglich das Schöpfen des Flüchtigen, das Vereinen des Verstreuten, das sorgsame Aufbewahren des Zusammengetragenen. Der Mensch, als Wesen mit aufrechtem Gang und händischem Geschick, neugierig und lernfähig, richtet sich mit Objekten und Dingen die Welt ein. Das Zusammentragen, das Bewahren und Anhäufen von Dingen, lebensnotwendigen wie auch ideellen, gehört zu den ersten Tätigkeiten. Oft wird das Sammeln als eine Marotte, als einen Spleen abgetan. Sammeln um zu erforschen und Wissen zu bewahren, sind elementare Beweggründe, auf die alle bemerkenswerten Sammlungen zurückgehen. Viele Museen und Institutionen haben ihren Anfang in den sogenannte Wunderkammern der Kuriositäten von Aristokraten, Forschern und Wissenschaftlern. Die ersten solcher Art Kuriositätenkabinette entstanden Mitte des 16. Jahrhunderts als ein Versuch, die Welt im Miniaturformat abzubilden,um ein übergeordnetes Prinzip zu entdecken.
Sammeln ist Sisyphusarbeit. Es endet niemals. Und das macht das Glück des Sammelns aus.

Übersicht

Warum sammeln Sammler?  Warum sammeln Sammler?

Warum sammeln Sammler? Was ist der Antrieb der Sammler, warum sammeln sie das, was sie sammeln? Die Beweggründe für das Sammeln sind genauso vielseitig wie die begehrten Objekte selbst: Freizeitbeschäftigung, Anhäufung von Erinnerungsstücken an die Jugend, Sammelspaß durch die Jagd nach seltenen Stücken, geschichtliches Interesse, Begeisterung für alte Technik, ästhetischer Genuss und Faszination an Kunstobjekten, Selbstdarstellung (Statussymbole), Spekulation und Wertanlage sind nur einige Motive der Leidenschaft des Besitzen-Wollens.
Sammeln kann das Leben bereichern, es kann aber auch pathologische Züge annehmen, in Form von Isolation und Vernachlässigung seiner selbst und seines sozialen Umfelds. Im einzelnen extremen Fällen kann diese Sucht dazu führen, dass nicht nur eine Sammlung in einem klar abgegrenzten Sachgebiet angelegt wird, sondern dass zwanghaft alles gesammelt wird.
Sammler sind Leute, die Seltenes zusammentragen, in der Hoffnung, dass es noch seltener wird.

Übersicht

Alltagssammeln  Alltagssammeln

Alltagssammeln Der Mensch ist seit jeher ein Jäger und Sammler. Einige Kulturphilosophen vermuten im Umgang und im Anhäufen, im Sich-Umgeben mit Dingen eine der Wurzeln des Menschseins. Die Beherrschung des Feuers und der Gebrauch von Werkzeug standen zwar am Anfang gesellschaftlichen Lebens, liefern aber nicht ausschließlich den zündenden Funken, der uns zum Menschen gemacht hat. Ebenso das Hantieren mit Gegenständen und der Gebrauch von Werkzeug haben wir dem Menschenaffen nicht voraus. Es ist also eine offene Frage, was den Menschen zum Menschen macht. Ist es die Identifikation mit den Objekten, das Verhältnis und die Beziehungen zu den Dingen, die vielleicht mit dem Menschsein zu tun haben? Der Reichtum des menschlichen Lebens besteht aus dem Wechselspiel der Dinge zum Angreifen und des Geistes und der Emotion.
Jeder Mensch sammelt wohl irgendwas. Nur häufig ist er sich dessen gar nicht bewusst. Ein Sammelgebiet muss auch nicht im klassischen Sinn materiell fassbar sein. Vielreisende sammeln Eindrücke in fremden Ländern, Sportler sammeln Siege und Rekorde, Wanderer sammeln Berge und Gipfel, der Jäger seine Trophäen und jagdlichen Erlebnisse, beim Einkaufen sammelt man Punkte für ein Gewinnspiel, Glas und Altpapier werden in jedem Haushalt gesammelt - und so mancher sammelt Anerkennung und Erfolg.
Eines ist jedoch sicher: Ohne ’seine Dinge’ wäre der Mensch nicht, wie er ist - weder damals noch heute.

Übersicht